Philipp von Hessen

Philipp I. von Hessen (1504-1567) gelang es durch politisches und militärisches Geschick, sein relativ loses und „unverdichtetes“ Land zu einem gefestigten Territorium auszubauen. Seit 1524 persönlich mit der neuen Lehre sympathisierend, führte er 1526 die Reformation in Hessen ein und wurde zu ihrem „politischen Kopf“, der mit allen wichtigen Protagonisten in Verbindung stand und die antikaiserliche Opposition mitorganisierte. Sein sehr autonomes, laientheologisches Religionsverständnis gipfelte im Eingehen einer Doppelehe 1540, deren Folgen ihm nachhaltig schadeten.

Dokumente

Kraft von Bodenhausen, Statthalter zu Kassel, berichtet Landgräfin Anna von Hessen, dass der Ablasshandel in Kassel auf Weisung von Regierung und Stadt unterblieben ist

Datierung:
14. April 1517
Ablasskritik gab es schon lange vor Luther. Sie hatte sehr unterschiedliche Gründe: Theologische Vorbehalte, Skepsis gegenüber den immer umfangreicher werdenden... zum Dokument

Auszüge aus Melanchthons „Summa“ (Epitome) an den Landgrafen von Hessen

Datierung:
1524
Philipp Melanchthons „Summa“ und die lateinische Originalfassung mit dem Namen „Epitome“ waren Bestseller. Die lateinische Version erschien 1524 in vier Drucken, die... zum Dokument

Papst Clemens VII. beglückwünscht Landgraf Philipp von Hessen zur Niederwerfung der Bauern und ermahnt ihn, weiterhin für den alten Glauben einzutreten

Datierung:
23. August 1525
Als 1525 am Hof des Landgrafen ein Breve aus Rom eintraf, erregte das so viel Aufsehen, dass der Text abgeschrieben und anschließend ins Deutsche übertragen wurde, denn... zum Dokument

Graf Wilhelm von Henneberg besteht auf einer harten Bestrafung des Sichelschmieds Steffan Mann aus Schmalkalden unter Darlegung seiner Rolle während des Bauernaufstandes

Datierung:
6. November 1525
Die Herrschaft Schmalkalden befand sich seit 1360 im gemeinschaftlichen Besitz der Grafen von Henneberg-Schleusingen und der Landgrafschaft Hessen, und wurde als... zum Dokument

Herzog Johann der Beständige dankt Landgraf Philipp für seinen Beistand für das Stift Großburschla während des Bauernkriegs und weist gleichzeitig dessen Anspruch auf eine Mitherrschaft über das Stift zurück

Datierung:
23. Dezember 152[5]
Das Kloster Großburschla wurde wohl im 9. Jahrhundert als Propstei (Eigenkloster) der Abtei Fulda gegründet und nach Zerstörungen im 12. Jahrhundert in ein Kollegiatstift... zum Dokument

Landgraf Philipp erbittet den Rat von Luther und Melanchthon zur Durchführung erster reformatorischer Maßnahmen in Hessen

Datierung:
September 1526
Der Brief an Luther und Melanchthon wurde von Landgraf Philipp in Eile und flüchtig zu Papier gebracht, deshalb sind manche Formulierungen ungelenk oder grammatikalisch... zum Dokument

Denkzettel Landgraf Philipps des Großmütigen zur Neuorganisation seines Territoriums im Sinn der Reformation

Datierung:
[Januar 1527]
Der „Denkzettel“ ist ein typisches Beispiel für Memorialschreibwerk: Ein Schriftstück, das als Gedächtnisstütze für den Schreiber oder seine Nachfolger, nicht zur... zum Dokument

Vom „ärgerlichen Klosterleben“ und dem Gemeinen Nutzen. Aus der Schrift „Was der Durchleuchtige [...] Philipps Landtgrave zu Hessen etc.“

Datierung:
1527
Am 6. Dezember 1527 erschien bei dem Buchdrucker Johann Loersfeld, der sich eben erst in Marburg niedergelassen hatte, eine anonyme Schrift darüber, „Was der [...]... zum Dokument

Martin Luther rät Landgraf Philipp von Hessen, die Reformatio ecclesiarum Hassiae („Homberger Kirchenordnung“) nicht zu veröffentlichen und sie nicht als Regelwerk für seine Reformation zu benutzen

Datierung:
7. Januar 1527
Landgraf Philipp von Hessen bekannte sich persönlich seit Sommer 1524 zur Lehre Luthers und ließ seither die evangelischen Prädikanten in Hessen gewähren. Auf dem Speyrer... zum Dokument

Landgraf Philipp befiehlt die Abschaffung der Bilder in sämtlichen Gotteshäusern

Datierung:
18. Oktober 1527
Der Befehl zur Abschaffung der Bilder gehört zum ersten Maßnahmenpaket, mit dem Landgraf Philipp die Reformation öffentlich in seinem Land einführte. Das Schreiben ist... zum Dokument

Verordnung von Landgraf Philipp über die Behandlung der Täufer und anderer Vereinigungen

Datierung:
[nach 1528 November 28]
Eine täuferische Bewegung entstand in Hessen nach dem Bauernkrieg. Entsprechend den unterschiedlichen Kommunikationsräumen, an denen die einzelnen Landesteile Anteil... zum Dokument

Landgraf Philipp von Hessen befiehlt, in allen Pfarreien des Landes ein Exemplar des in Marburger gedruckten Neuen Testaments anzuschaffen und öffentlich zugänglich aufzubewahren

Datierung:
1529 Januar 16
Gedruckte Bibelübersetzungen gab es schon vor Luther. Die bedeutendsten von ihnen entstanden in den Offizinen von Johannes Mentelin in Straßburg, Günther Zainer in... zum Dokument

Martin Luthers Bedenken gegen die Einladung Landgraf Philipps zum Marburger Religionsgespräch

Datierung:
23. Juni 1529
Den Entschluss, zwischen den Vertretern der oberdeutschen Reformation um Huldrych Zwingli in Zürich und der Wittenberger Reformation um Luther und Melanchthon ein... zum Dokument

Huldrych Zwingli nimmt die Einladung zum Marburger Religionsgespräch an

Datierung:
14. Juli 1529
Auf dem Speyrer Reichstag des Jahres 1529 legten zwar die evangelischen Reichsstände ihre berühmte „Protestation“ gegen die Aufkündigung des Konsenses von 1526 durch... zum Dokument

Landgraf Philipp von Hessen legt das Personal- und Lehrprogramm sowie ein Stipendiensystem für die neu gegründete Universität Marburg fest (Auszüge aus dem Freiheitsbrief)

Datierung:
31. August 1529
Die ersten Universitäten entstanden am Ende des 12. Jahrhunderts in Italien (Bologna) und Frankreich (Paris); von hier aus verbreitete sich die Universitätsidee in ganz... zum Dokument

Die Marburger Artikel

Datierung:
4. Oktober 1529
Auf dem Speyrer Reichstag im April 1529, auf dem die evangelischen Stände erneut reichspolitisch bedrängt wurden und dagegen politischen Protest erhoben („Speyrer... zum Dokument

Huldrych Zwingli entwirft einen Plan für eine großangelegte Unternehmung gegen den Kaiser (Consilium Gallicum)

Datierung:
12. März 1530
Knapp ein halbes Jahr nach seiner Rückkehr vom Marburger Religionsgespräch wandte sich Huldrych Zwingli wiederum mit einem Brief an den Landgrafen. Es ist nicht sein... zum Dokument

Huldrych Zwingli lobt die Standhaftigkeit Landgraf Philipps, übermittelt Neuigkeiten aus Zürich und unterrichtet über seinen Streit mit Luther

Datierung:
20. September 1530
Der Brief Huldrych Zwinglis an Landgraf Philipp von Hessen war ursprünglich klein gefaltet, mit einem durchgezogenen Papierstreifen verschlossen und versiegelt gewesen.... zum Dokument

Huldrych Zwingli versichert Landgraf Philipp die Solidarität Zürichs und bittet um Vermittlung mit Luther

Datierung:
13. Oktober 1530
Huldrych Zwinglis Brief ist „in Eile“ in Zürich abgefasst und diese Eile merkt man ihm deutlich an, denn zweimal, einmal nach der Datierung und einmal nach der... zum Dokument

Landgraf Philipp übersendet Luther und dem kursächsischen Kanzler Brück die aus England zugestellten Unterlagen zur Scheidungssache König Heinrichs VIII. und bittet um ein Gutachten der Universität Wittenberg

Datierung:
16. September 1531
Die realisierte Fassung eines Textes (Ausfertigung) ist nur eine von mehreren Textmöglichkeiten; ein Konzept macht den zu ihr führenden Entscheidungsprozess,... zum Dokument

Landgraf Philipp wirbt bei Martin Luther um eine Verständigung mit den Oberdeutschen in der Abendmahlslehre

Datierung:
25. September 1534
Am 17. Oktober 1534 bestätigte Martin Luther Landgraf Philipp den Empfang eines Briefes, mit dem ihn der Landgraf gebeten habe, die Sache des Sakraments zu bedenken. Am... zum Dokument

Martin Luther unterstreicht seine Position in der Abendmahlfrage vor dem Kasseler Gespräch Melanchthons mit Bucer

Datierung:
17. Dezember 1534
Nach wiederholtem Drängen Landgraf Philipps, auf Grundlage der Stuttgarter Konkordie doch noch zu einer allgemeinen Einigung in der Abendmahlfrage zu kommen, hatte Martin... zum Dokument

Landgraf Philipp bittet Martin Luther, Philipp Melanchthon, Justus Jonas d. Ä., Johannes Bugenhagen in Wittenberg sowie die Marburger Theologen um ein Gutachten über die Täufer in Hessen

Datierung:
24. Mai 1536
„Mit Gott“ wollte Landgraf Philipp von Hessen Maßnahmen gegen die Täufer in seinem Land ergreifen. Die Kirchenhoheit sollte ihnen gegenüber durchgesetzt werden, daran... zum Dokument

Versorgung der in das Hospital Merxhausen übersiedelten Süstern des Schwesternhauses Immenhausen

Datierung:
8. Oktober 1537
Zu den geistlichen Einrichtungen, die mit der Reformation in Hessen vollständig verschwunden sind, gehört das Schwesternhaus Mergenhof (Marienhof) in Immenhausen. Schon... zum Dokument

Luther rät Landgraf Philipp zur Vertreibung der Täufer aus Hessen

Datierung:
20. November 1538
Nachdem sich Martin Bucer vom 30. Oktober bis 1. November 1538 mit den in Marburg gefangenen Täufern auseinandergesetzt hatte, reiste er weiter nach Wittenberg, um dort... zum Dokument

Einführung des Ältestenamtes und der Konfirmation in die hessische Landeskirche (Ziegenhainer Zuchtordnung)

Datierung:
[1539]
Das Wort „Zucht“ besaß im vormodernen Sprachgebrauch die Bedeutung von Erziehung / Disziplin / Sanktion von Fehlverhalten / Sittsamkeit. Hierher gehört auch das Wort... zum Dokument

Geheime Stellungnahme Philipp Melanchthons gegenüber Eberhard von der Tann über die Dispensierung der Bigamie in begründeten Fällen

Datierung:
[4. März 1540]
Der vorliegende Brief Melanchthons befindet sich in einem zeitgenössisch gebundenen Aktenband mit Schriftstücken, die der kursächsische Rat und Statthalter zu Weimar... zum Dokument

„Wittenberger Beichtrat“, mit dem Luther und Melanchthon dem Landgrafen beichtweise Dispens zu einer Nebenehe erteilen

Datierung:
10. Dezember 1539
Man könnte beinahe meinen, die Frage nach einer „evangelisch“ – will sagen: alttestamentlich – begründbaren Doppelehe habe sich wie ein roter Faden durch das Verhältnis... zum Dokument

Philipp Melanchthons „Epistel an den Landgrafen von Hessen“

Datierung:
1540
Philipp Melanchthons „Epistel an den Landgrafen von Hessen“ entstand eigentlich als Widmungsbrief zu seinem Kommentar über den Römerbrief des Apostels Paulus (Commentarii... zum Dokument

Landgraf Philipp äußert seine Zufriedenheit mit Luthers Schrift „Von den Juden und ihren Lügen“

Datierung:
27. Januar 1543
Martin Luther Schrift „Von den Juden und ihren Lügen“ aus dem Jahr 1543 gehört zu den trübsten Kapiteln seiner publizistischen Tätigkeit. Sie reagierte wohl auf Sebastian... zum Dokument

Landgraf Philipp erbittet Melanchthons Rat zur Reformierung der Theologenausbildung an der Universität Marburg und der Universität überhaupt

Datierung:
22. März 1546
Eigentlich hätte das Schreiben des Landgrafen an Philipp Melanchthon mit der Zeile „[...] zumal wir erachten, dass Ihr der Förderung eines solchen guten Werks nicht... zum Dokument

Empfehlungen Melanchthons zur Verbesserung der Universität Marburg

Datierung:
4. April 1546
Philipp Melanchthon, Wittenberger Universitätsprofessor, Wissenschaftsorganisator und Reformator, der als Bildungsreformer den Ehrennamen „Praeceptor Germaniae“ erhielt,... zum Dokument

Der Fußfall des Landgrafen Philipp von Hessen in Halle a.d. Saale

Datierung:
1547
Nach der Beilegung der außenpolitischen Konflikte mit Frankreich und dem Osmanischen Reich begann Kaiser Karl V. 1544 damit, den Kampf gegen die protestantischen... zum Dokument

Kaiser Karl V. verhängt die Reichsacht über die Altstadt Magdeburg

Datierung:
27. Juli 1547
Am 27. Juli 1547 erklärte Kaiser Karl V. der Stadt Magdeburg die Reichsacht und entzog ihr damit sämtliche Privilegien, was einen großen Schaden für die Stadt hervorrief.... zum Dokument

Bericht von David Gottschalk Höping über die gewaltsame Öffnung des Schreins der Hl. Elisabeth

Datierung:
Ca. 1670-1680
Die Reformation bedeutete auch eine einschneidende Zäsur im Umgang mit der Heiligen Elisabeth, der „Ahnfrau“ des hessischen Landgrafenhauses. Im Zuge des... zum Dokument
Bild: Landgraf Philipp der Großmütige. Brustbild von Hans Krell (?), um 1534. Kulturstiftung des Hauses Hessen, Museum Schloss Fasanerie, Eichenzell bei Fulda